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Organisation

Biologische und chemische Risiken am Arbeitsplatz

Identifizierung, Bewertung und Minderung biologischer und chemischer Risiken für einen sicheren und normkonformen Arbeitsplatz.

Unsichtbare Risiken sichtbar machen — Schutz durch Wissen

Biologische und chemische Risiken gehören zu den am häufigsten unterschätzten Gefährdungen am Arbeitsplatz. Während physische Gefahren wie Maschinen oder Höhenarbeit unmittelbar sichtbar sind, wirken chemische Substanzen und biologische Agenzien oft unsichtbar, geruchlos und schleichend — mit Folgen, die sich erst nach Jahren manifestieren können. Die europäische Arbeitssicherheitsbehörde EU-OSHA schätzt, dass rund 30 % aller Berufskrankheiten in der EU auf Expositionen gegenüber chemischen oder biologischen Agenzien zurückzuführen sind.

Dieser Kurs vermittelt das systematische Wissen und die praktischen Kompetenzen, um biologische und chemische Risiken am Arbeitsplatz zuverlässig zu identifizieren, zu bewerten, zu mindern und im Notfall richtig zu handeln. Grundlage sind der D.Lgs. 81/2008 (Titel VIII — Chemische Agenzien und Titel X — Biologische Agenzien), die europäische CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, die REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 sowie die einschlägigen Grenzwertlisten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (MAK-Werte) und der EU (OEL-Richtlinien). Der Kurs richtet sich an alle Betriebe, in denen Beschäftigte regelmäßig oder gelegentlich mit Gefahrstoffen oder biologischen Arbeitsstoffen in Kontakt kommen — von der Reinigungsbranche bis zum Krankenhaus, vom Labor bis zur Landwirtschaft.

Dauer und Lernformat

Der Kurs umfasst 8 Stunden (1 Schulungstag) mit Theorie- und Praxisanteilen. Er kann als Präsenzveranstaltung im Betrieb, in unseren Schulungsräumlichkeiten oder als kombiniertes Format mit E-Learning-Vorbereitung und Präsenz-Praxis durchgeführt werden. Für Betriebe mit spezifischen Risikoprofilen (z. B. Gesundheitswesen, Labore, Chemiebetriebe) sind erweiterte 2-Tages-Formate verfügbar. Teilnahmezertifikate werden am Ende des Kurses ausgestellt.

Zielgruppe

Das Programm richtet sich an:

  • Sicherheitsbeauftragte (RSPP/ASPP) und Fachkräfte für Arbeitssicherheit
  • Arbeitgeber und Betriebsleiter in risikorelevanten Branchen (Gesundheitswesen, Labore, Industrie, Reinigung, Gastronomie, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft)
  • Exponierte Arbeitnehmer mit regelmäßigem Umgang mit Gefahrstoffen oder biologischen Arbeitsstoffen
  • Betriebsärzte zur Aktualisierung von Gesundheitsprotokollen und Eignungsuntersuchungen
  • HR-Verantwortliche für die Planung von Pflichtunterweisungen und Dokumentation
  • Ersthelfer und Notfallkoordinatoren zur Erweiterung ihrer Handlungskompetenz

Detailliertes Kursprogramm

Modul 1 — Grundlagen des chemischen Risikos (Titel VIII D.Lgs. 81/2008)

  • Klassifizierung gefährlicher Stoffe nach CLP-Verordnung: GHS-Gefahrensymbole, Signalwörter, H- und P-Sätze
  • Sicherheitsdatenblätter (SDS) verstehen und anwenden: Aufbau, Pflichtangaben, praktische Nutzung
  • Expositionspfade: Einatmung, Hautkontakt, Verschlucken, Injektion
  • Grenzwerte verstehen: TLV, OEL, MAK-Werte — was bedeuten sie für den Arbeitsalltag?
  • Umgebungsüberwachung: Messstrategien, Messgeräte und Bewertung von Ergebnissen

Modul 2 — Risikobewertung und Präventionshierarchie

  • Methodik der Gefährdungsbeurteilung nach D.Lgs. 81/2008 Art. 223–225
  • STOP-Prinzip: Substitution, Technische Maßnahmen, Organisatorische Maßnahmen, PSA
  • Auswahl, Verwendung und Pflege chemikaliensicherer PSA (Atemschutz, Schutzkleidung, Handschuhe)
  • Ventilation und technische Absaugung: Wirksamkeit und Überprüfung
  • Arbeitsplatzhygiene und Kontaminationsvermeidung

Modul 3 — Grundlagen des biologischen Risikos (Titel X D.Lgs. 81/2008)

  • Biologische Agenzien am Arbeitsplatz: Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten, Prionen
  • Risikogruppen 1–4: Klassifizierung nach Gefährlichkeit und Übertragbarkeit
  • Expositionswege und Infektionsrisiken spezifisch nach Berufsfeld
  • Biosicherheitsstufen (BSL 1–4): Anforderungen, Ausrüstung, Verfahren
  • Biologische Gefährdungsbeurteilung: Erfassung, Bewertung und Maßnahmenplanung

Modul 4 — Schutzmaßnahmen und Betriebsprotokolle

  • Standard- und erweiterte Vorsichtsmaßnahmen im Gesundheitswesen
  • Dekontaminationsverfahren: Desinfektion, Sterilisation, Validierung
  • Sichere Entsorgung gefährlicher biologischer und chemischer Abfälle
  • Impfprophylaxe für exponierte Berufsgruppen: Pflichten und Empfehlungen
  • Persönliche Schutzausrüstung für biologische Risiken: Korrekte Anlege- und Ablegeroutinen

Modul 5 — Notfallmanagement und Erste Hilfe

  • Sofortmaßnahmen bei chemischen Verschüttungen: Alarm, Absicherung, Dekontamination
  • Erste Hilfe bei Verätzungen, Inhalationsunfällen und chemischer Vergiftung
  • Stichverletzungen und biologische Kontamination: Protokoll für Nadelstichverletzungen
  • Notfallkommunikation: interne und externe Alarmketten, Giftnotruf
  • Dokumentation und Nachsorge nach Expositionszwischenfällen

Rechtliche Grundlagen

  • D.Lgs. 81/2008 (GvD 81/08), Titel VIII (Art. 221–232): Schutz vor chemischen Agenzien — Bewertung, Grenzwerte, Maßnahmen, PSA, Notfallplanung
  • D.Lgs. 81/2008, Titel X (Art. 266–286): Schutz vor biologischen Agenzien — Klassifizierung, Bewertung, Biosicherheit, Prophylaxe
  • Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP): Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen
  • Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH): Registrierung, Bewertung und Zulassung chemischer Stoffe, Basis für Sicherheitsdatenblätter
  • Richtlinie 2004/37/EG: Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder Mutagene bei der Arbeit
  • Richtlinie 2000/54/EG: Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe
  • OEL-Richtlinien der EU: Grenzwerte für berufliche Exposition gegenüber chemischen Agenzien

Was Sie erhalten

  • Vollständiges Schulungshandbuch mit allen Kursinhalten, Checklisten und Referenzwerten (digital und gedruckt)
  • SDS-Leitfaden: Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Interpretation und betrieblichen Nutzung von Sicherheitsdatenblättern
  • Gefährdungsbeurteilungsvorlage für biologische und chemische Risiken nach D.Lgs. 81/2008
  • PSA-Auswahlmatrix für die häufigsten Risikoszenarien im jeweiligen Sektor
  • Notfallprotokoll-Vorlage für chemische und biologische Zwischenfälle
  • Teilnahmezertifikat anerkannt nach D.Lgs. 81/2008 mit Angabe der absolvierten Stunden

Didaktische Methodik

Der Kurs kombiniert fundierte Theorieinputs mit praxisnahen Übungen, die unmittelbar auf den Arbeitsalltag der Teilnehmer übertragbar sind. Unsere Dozenten sind zertifizierte Arbeitssicherheitsfachkräfte mit spezifischer Expertise in Chemie- und Biosicherheit:

  • Theoretische Lehreinheiten mit visuell aufbereiteten Fallbeispielen und realen Unfallszenarien aus der Praxis
  • Hands-on-Übungen: Korrekte Anlege- und Ablegeroutinen für PSA, Umgang mit SDS, Simulation von Erstmaßnahmen
  • Gruppenarbeit: Risikobewertungsübungen anhand betriebsspezifischer Szenarien
  • Branchenanpassung: Fallstudien aus dem konkreten Sektor des jeweiligen Unternehmens
  • Wissenstest am Kursende zur Lernkontrolle und Dokumentation für die Pflichtnachweise
  • Direkte Anwendbarkeit: Alle Werkzeuge und Vorlagen sind sofort im Betrieb einsetzbar

Das Programm ist praxisnah und branchenspezifisch gestaltet und wird für jeden Betrieb individuell kalibriert, um maximale Relevanz und Transferwirkung zu gewährleisten.