Empowerment, Sicherheit und Personalmanagement
Entwicklung von Soft Skills, Sicherheit und effektives Personalmanagement in organisatorischen Kontexten.
Führungskompetenz und Selbstwirksamkeit für eine nachhaltige Sicherheitskultur
Die Forschung zeigt eindeutig: Arbeitssicherheit ist keine rein technische Angelegenheit. Organisationen mit einer starken Sicherheitskultur zeichnen sich durch Führungskräfte aus, die Selbstwirksamkeit vorleben, offen kommunizieren und ihre Teams aktiv in Sicherheitsentscheidungen einbeziehen. Das Konzept des Empowerments — die bewusste Stärkung von Autonomie, Kompetenz und Handlungsfähigkeit — ist heute ein anerkannter Schlüsselfaktor sowohl in der Sicherheitsforschung als auch in der modernen Organisationsentwicklung.
Die internationale Norm ISO 45001:2018 verankert Führung und Partizipation als Kernelemente eines wirksamen Arbeitsschutzmanagementsystems. Artikel 5 der Norm fordert explizit, dass das Top-Management Safety Leadership demonstriert und sicherstellt, dass Beschäftigte auf allen Ebenen aktiv in Sicherheitsprozesse eingebunden werden. Dieser Ansatz wird durch das GvD 81/08 flankiert, das in Art. 2 und Art. 28 die Pflicht zur umfassenden Risikobeurteilung und zur Förderung einer Präventionskultur verankert.
Albert Banduras Theorie der Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy) bildet das psychologische Fundament dieses Kurses: Führungskräfte, die an ihre eigene Kompetenz glauben, kommunizieren sicherer, treffen bessere Entscheidungen und schaffen ein Umfeld, in dem Mitarbeitende ebenfalls Verantwortung übernehmen. Dieser Kurs entwickelt genau diese Überzeugungen — durch praxisnahe Methoden, die unmittelbar im Führungsalltag wirksam werden.
Dauer und Lernformat
Der Kurs wird in zwei Varianten angeboten: als Kompaktkurs mit 8 Stunden (ein Präsenztag, geeignet für eine erste Vertiefung) oder als erweitertes Programm mit 16 Stunden (zwei Tage oder vier Halbtage, empfohlen für nachhaltige Kompetenzentwicklung). Das erweiterte Format beinhaltet individuelle Reflexionsaufgaben zwischen den Modulen. Beide Formate schließen mit einem persönlichen Aktionsplan ab. Maximale Gruppengrößen: 12 Personen (intensives Format) bzw. 18 Personen (Basisformat).
Zielgruppe
Der Kurs richtet sich gezielt an:
- Führungskräfte der mittleren und oberen Ebene, die Sicherheitsverantwortung tragen
- Teamleiter und Schichtführer mit direktivem Einfluss auf das Sicherheitsverhalten ihrer Gruppen
- RSPP und Sicherheitskoordinatoren, die Sicherheitskulturprojekte entwickeln und begleiten
- HR-Manager und Personalentwickler, die Führungsprogramme mit Sicherheitsfokus konzipieren
- Unternehmer und Geschäftsführer kleiner und mittlerer Betriebe in Südtirol und der Region
Detailliertes Kursprogramm
Modul 1 — Selbstwirksamkeit und Führungsidentität
- Banduras Self-Efficacy-Theorie: Entstehung, Messung und Stärkung von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen
- Vier Quellen der Selbstwirksamkeit: Handlungserfahrung, stellvertretendes Lernen, verbale Überzeugung, physiologische Zustände
- Führungsstile und ihre Wirkung auf Sicherheitskultur: transaktional, transformational, servant leadership
- Eigenes Führungsprofil reflektieren: Stärken, blinde Flecken, Entwicklungsfelder
Modul 2 — Sicherheitsführung in der Praxis
- ISO 45001 und GvD 81/08: Führungsverpflichtungen und Safety Leadership als Managementaufgabe
- Sicherheitskommunikation: Gefahren ansprechen ohne Angst zu erzeugen, positives Sicherheitsverhalten verstärken
- Motivation und Compliance: Unterschied zwischen regelkonformem und sicherheitsmotiviertem Verhalten
- Vorbildfunktion: wie Führungsverhalten das Sicherheitsklima der gesamten Organisation prägt
Modul 3 — Empowerment-Techniken für Teams
- Delegieren mit Klarheit: Aufgaben, Verantwortung und Handlungsspielraum bewusst übertragen
- Partizipative Sicherheitsrunden: Mitarbeitende in Gefahrenidentifikation und Lösungsentwicklung einbeziehen
- Psychologische Sicherheit (Edmondson): Klima schaffen, in dem Fehler gemeldet und diskutiert werden
- Konfliktmoderation und konstruktiver Umgang mit Sicherheitsdisput
Modul 4 — Kommunikation, Feedback und Aktionsplanung
- Wertschätzendes Feedback geben und nehmen: SBI-Modell (Situation-Behavior-Impact)
- Schwierige Gespräche führen: Unterleistung, Regelverstöße, persönliche Krisen ansprechen
- Motivationsgespräche im Sicherheitskontext: Motivational Interviewing-Grundlagen
- Persönlicher Aktionsplan: Drei konkrete Führungsveränderungen für die nächsten 90 Tage
Rechtliche Grundlagen
- ISO 45001:2018, Kapitel 5: Leadership und Arbeitnehmerpartizipation als Systemanforderung
- GvD 81/08, Art. 2, 15, 17, 18: Pflichten des Arbeitgebers zur Sicherheitsförderung und Schulung
- GvD 81/08, Art. 37: Mindeststundenanforderungen für Führungskräfteschulungen zur Arbeitssicherheit
- Accordo Stato-Regioni 21.12.2011: Inhaltliche und zeitliche Vorgaben für Vorgesetztenschulungen
- BS OHSAS 18001 / ISO 45001: Internationale Benchmarks für Safety Leadership
- Parallele Referenzen: DGUV Vorschrift 1 (Deutschland) und ASchG (Österreich) — Pflichten der Vorgesetzten
Was Sie erhalten
- Schulungshandbuch mit Führungsmodellen, Checklisten und Praxiswerkzeugen
- Selbstwirksamkeitsinventar: validiertes Instrument zur persönlichen Standortbestimmung
- Vorlage für strukturierte Sicherheitsgespräche und Team-Briefings
- Leitfaden für partizipative Sicherheitsrunden im Betrieb
- Teilnahmezertifikat nach GvD 81/08 und ISO 45001-Standards
- Persönlicher Entwicklungsplan (90-Tage-Aktionsplan) mit Umsetzungsbegleitung auf Anfrage
Didaktische Methodik
Der Kurs folgt einem handlungsorientierten Lernansatz, der Führungskompetenzen durch wiederholte Übung vertieft, nicht durch passive Wissensvermittlung:
- 360-Grad-Reflexion: Teilnehmer analysieren eigene Führungssituationen aus drei Perspektiven (Selbst, Team, Organisation)
- Rollenspiele mit Video-Feedback: Kommunikationssituationen werden gespielt, aufgezeichnet und gemeinsam ausgewertet
- Peer-Coaching in Tandems: Gegenseitige kollegiale Beratung zu realen Führungsherausforderungen
- Fallstudien aus Südtiroler Betrieben: Branchen-spezifische Szenarien aus Produktion, Tourismus, Gesundheitswesen und Bau
- Aktionsplanung mit Commitment: Öffentliches Bekenntnis zu konkreten Verhaltensänderungen stärkt die Umsetzungswahrscheinlichkeit
- Zwischen den Modulen (erweitertes Format): kurze Transferaufgaben und Reflexionsprotokolle zur Verankerung der Lerninhalte im Alltag
Weitere Kurse in Organisation
Coaching und Organisationsentwicklung
Individuelles und organisatorisches Coaching für berufliche Entwicklung und Unternehmenswachstum.
Biologische und chemische Risiken am Arbeitsplatz
Identifizierung, Bewertung und Minderung biologischer und chemischer Risiken für einen sicheren und normkonformen Arbeitsplatz.