SystemKRAV - Persönliche Sicherheit und kollektive Verantwortung
Techniken zur Selbstverteidigung für die persönliche Sicherheit und Bewältigung kritischer Situationen.
Professionelle Sicherheit beginnt vor dem Konflikt
Gewalt am Arbeitsplatz ist keine Randerscheinung: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit bis zu 25 % der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen im Laufe ihrer Karriere physischen oder verbalen Übergriffen ausgesetzt sind. In Berufsfeldern mit direktem Personenkontakt — Pflege, Sozialarbeit, Sicherheitsdienste, Notaufnahmen, Bildungseinrichtungen — gehört der kompetente Umgang mit eskalierenden Situationen zu den wichtigsten beruflichen Schutzkompetenzen.
SystemKRAV ist kein Kampfsportkurs. Es ist ein ganzheitliches Sicherheitsprogramm für den Berufsalltag, das Situationsbewusstsein, De-Eskalation, Körperbewusstsein und — als absolutes letztes Mittel — elementare Selbstschutzreflexe zu einem kohärenten System verbindet. Der Ansatz basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Konfliktpsychologie, der Stressphysiologie und den WHO-Richtlinien zur Prävention von Arbeitsplatzgewalt. Gleichzeitig erfüllt das Programm die Anforderungen des D.Lgs. 81/2008 zur Risikobeurteilung und Prävention psychosozialer und physischer Risiken. Ziel ist nicht die Transformation in einen Kämpfer, sondern die Entwicklung von Handlungssicherheit, Gelassenheit und professioneller Resilienz in schwierigen Situationen — für alle, unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlicher Konstitution.
Dauer und Lernformat
Der Kurs umfasst 8 bis 16 Stunden, je nach Tiefe und gewählten Modulen. Er ist als Intensiv-Wochenend-Workshop, als zweitägige Betriebsschulung oder in wöchentlichen Einheiten über mehrere Wochen realisierbar. Die praktischen Einheiten erfordern ausreichend Bewegungsfläche und finden idealerweise in einem Sportraum oder einem geräumten Schulungsraum statt. Teilnehmer sollten bequeme Kleidung mitbringen. Für besonders gefährdete Berufsgruppen empfehlen wir den vollständigen 16-Stunden-Kurs mit Auffrischungseinheit.
Zielgruppe
Das Programm richtet sich insbesondere an:
- Pflegepersonal, Ärzte und medizinisches Fachpersonal in Notaufnahmen, psychiatrischen Einrichtungen und Langzeitpflege
- Sozialarbeiter und Betreuer in der Jugendhilfe, Obdachlosenunterkünften und Kriseninterventionsdiensten
- Sicherheitspersonal im öffentlichen und privaten Bereich
- Lehrpersonal und Schulpersonal in herausfordernden Schul- und Bildungskontexten
- Mitarbeiter in Nachtschichten und in isolierten oder peripheren Arbeitskontexten
- Empfangspersonal und Kundendienstmitarbeiter mit hohem Konfliktkontaktpotenzial
- Alle Beschäftigten, deren Risikobeurteilung eine erhöhte Exposition gegenüber Aggression oder Gewalt ausweist
Detailliertes Kursprogramm
Modul 1 — Risikowahrnehmung und Situationsbewusstsein
- Konflikt- und Aggressionsdynamiken: Wie eskalieren Situationen?
- Das Ampelsystem: Grün (Normalzustand) — Gelb (erhöhte Aufmerksamkeit) — Rot (unmittelbare Gefahr)
- Umgebungsanalyse und Raummanagement: Positionen, Ausgänge, Distanzen
- Körpersprache lesen: Warnsignale und Verhaltensänderungen frühzeitig erkennen
Modul 2 — Stressphysiologie und emotionale Kontrolle
- Was passiert im Körper unter Stress: Adrenalin, Tunnel-Vision, Motorikveränderungen
- Atemtechniken zur Aktivierungsregulierung in Hochdrucksituationen
- Kognitive Umstrukturierung: klares Denken trotz Bedrohungswahrnehmung
- Trauma-Prävention: gesunder Umgang mit belastenden Berufserfahrungen
Modul 3 — Verbale De-Eskalation und Kommunikation
- Aktives Zuhören und empathische Kommunikation als Deeskalationswerkzeug
- Nonverbale Kommunikation: Stimme, Gestik, Körperhaltung unter Druck
- Grenzen setzen: klar, ruhig und professionell
- Umgang mit psychisch labilen Personen, intoxikierten Personen und extremen Gemütszuständen
- Dokumentation von Vorfällen und Meldepflichten
Modul 4 — Körperbewusstsein und Selbstschutzreflexe
- Grundhaltung und Balancepositionen: stabil und nicht provokativ
- Distanzmanagement: wie viel Raum schützt, ohne zu bedrohen
- Grundlegende Befreiungstechniken aus Griffen und Festhaltemanövern
- Schutzreflexe ohne Angriff: defensiv und verhältnismäßig reagieren
- Sturzprävention und Bodenkontrolle
Modul 5 — Rechtlicher Rahmen und betriebliche Protokolle
- Notwehr und Verhältnismäßigkeit nach italienischem Recht (Art. 52 StGB)
- Meldepflichten bei Arbeitsplatzgewalt gemäß D.Lgs. 81/2008
- Betriebliche Notfallprotokolle: Alarmierung, Evakuierung, Nachsorge
- Rollenspiele mit realistischen Szenarien aus dem eigenen Arbeitsumfeld
Rechtliche Grundlagen
- D.Lgs. 81/2008 (GvD 81/08), Art. 28: Pflicht zur Beurteilung aller Risiken einschließlich psychosozialer Risiken und Gewalt am Arbeitsplatz
- D.Lgs. 81/2008, Art. 15: Allgemeine Präventionsmaßnahmen, einschließlich Stressmanagement und Sicherheitskultur
- D.Lgs. 81/2008, Art. 37: Pflicht zur Unterweisung der Arbeitnehmer in allen relevanten Risiken
- WHO-Rahmenrichtlinien zur Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz (2002, aktualisiert 2021): Empfehlungen für Gesundheits- und Sozialberufe
- ILO-Leitlinien zu Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz (Übereinkommen Nr. 190, 2019)
- INAIL-Rundschreiben zur Erfassung und Prävention von Aggression als Berufsrisiko im Gesundheitswesen
Was Sie erhalten
- Persönliches Sicherheitsprotokoll mit individuellen Handlungsempfehlungen für den eigenen Berufskontext
- Schnellreferenz-Karte mit De-Eskalationsschritten und Notfallnummern
- Zugang zur Videoübungsbibliothek mit geführten Wiederholungseinheiten
- Teilnahmezertifikat anerkannt nach D.Lgs. 81/2008 als Nachweis für die Sicherheitsunterweisung
- Betrieblicher Leitfaden für HR und Sicherheitsbeauftragte zur Präventionsplanung
- Optionaler Auffrischungskurs (2–4 Stunden) nach 6–12 Monaten
Didaktische Methodik
SystemKRAV folgt einem erfahrungsbasierten Lernmodell, das kognitive Wissensvermittlung mit körperlicher Praxis und emotionaler Reflexion verbindet. Die Kursleiter sind ausgebildete Sicherheitsexperten mit Erfahrung in Stressbewältigungstraining und Berufspädagogik:
- Szenario-basiertes Lernen: Realistisch gespielte Situationen aus dem jeweiligen Berufsfeld der Teilnehmer
- Graduelle Steigerung: Von einfachen Bewusstseinsübungen bis zu physischen Trainingssituationen
- Debriefing-Runden nach jeder Übungseinheit zur emotionalen Verarbeitung und Lernvertiefung
- Kleingruppenarbeit (max. 12–15 Personen) für intensive Betreuung und hohen Übungsanteil
- Peer-Reflexion: Teilnehmer analysieren gemeinsam Situationen und entwickeln kollektive Lösungen
- Vertraulicher Rahmen: Psychologische Sicherheit im Training als Voraussetzung für echtes Lernen
Das Programm ist für alle zugänglich, unabhängig von Alter, Geschlecht, körperlicher Fitness oder Vorerfahrung — und wird individuell angepasst an den Risikokontext und die Bedürfnisse des jeweiligen Betriebs.
Weitere Kurse in Körper
Ernährung, Hydration und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz
Schulung zu bewusster Ernährung und ernährungsbezogenem Wohlbefinden zur Verbesserung der beruflichen Leistung.
Gesundheit bewegt dich
Programme für körperliches Wohlbefinden, Unfallverhütung und Produktivitätssteigerung durch bewusste Bewegung.
MMC - Manuelle Handhabung von Lasten
Schulung zur korrekten Handhabung von Lasten zur Vermeidung von Muskel-Skelett-Verletzungen und Verbesserung der betrieblichen Effizienz.